Beim Gesamtprozess eines Gebäudes – Finanzierung, Planung, Errichtung, Nutzung, Betrieb – gibt es etliche Möglichkeiten, wie sich kleinere oder größere Pannen einschleichen können, die in weiterer Folge zu mehr oder weniger heftigen Fehlern bzw. Alltagsproblemen führen. Diese Fehler äußern sich dann z. B. in Form überhöhter Energiekosten, unzufriedener oder kranker Nutzer, oder unnötig hoher Service-/Wartungskosten. Im schlimmsten Fall sind durch derartige Fehler aber auch
Menschenleben in Gefahr.
„Modernes Schildbürgerhaus“: Fehlerquellen
Ein krasses Beispiel, wie man ein Gebäude nicht errichten sollte, zeigt die Geschichte der „Schildbürger“: Als die Schildbürger ein neues, pompöses Rathaus bauen, vergisst der Architekt die Einplanung von Fenstern und das Rathaus ist innen total finster. Daraufhin versuchen die Schildbürger, mit Kübeln das Sonnenlicht einzufangen und ins Innere zu tragen, was allerdings nicht gelingt. So krasse Fehler sind den Mitwirkenden der TGA-Gruppe (eine Plattform innovationswilliger innerhalb der ATGA) in ihrer Praxis zwar (noch) nicht untergekommen – dafür jede Menge anderer. Die häufigsten Fehlerquellen resultieren sind Zeitmangel, übersteigertem Kostenzwang, zu wenig oder gar keine Kommunikation, mangelndem Bewusstsein.
Günter Bartel (Belimo) Matthias Herzog (Kreuzroiter)
Beispiele gefällig?
Die Intention der TGA-Gruppe (mit den Firmen/ Akteuren: Beckhoff/ Christian Pillwein, Belimo/ Günter Bartel, Conax/ Thomas Halper, Danfoss/ Martin Störmer, Kone/ Günter Baca, Kreuzroither/ Matthias Herzog) ist, dass Fehlerquellen bewusst gemacht und Lösungen aufgezeigt werden. Es gilt, aus Fehlern zu lernen und auch ohne Schaden klug zu werden. Die TGA-Gruppe, die einige dieser Pannen/Fehler/Probleme beim ATGA-Kongress präsentiert, will die gesammelten Fälle des „Modernen Schilbürgerhauses“ in weiterer Folge (in Buchform?) verewigen. Hier einige Beispiele von Fehlern aus der Praxis der TGA-Gruppe (und der HLK):
Thomas Halper (Conox) Christian Pillwein (Beckhoff)
WC nur über Lift erreichbar
Ein 2007 in Wien eröffnetes Hotel, bei dem sich im ausgedehnten Erdgeschoßbereich Lobby und Restaurant befinden, aber das WC für die Besucher offensichtlich nur über den Aufzug im Kellergeschoß erreichbar ist, würden viele wohl als Fehlplanung betiteln (Anm.: das WC wäre theoretisch über Stiegen erreichbar – praktisch ist das aber nirgendwo ersichtlich und auch sehr unvorteilhaft gelöst). Bei einem Kongress mit 100 Teilnehmern fallen grob gerechnet täglich ca. 400 Aufzugbewegungen nur wegen der Klogänge an (2 Mal Klo pro Teilnehmer, 1 x runter, 1 x rauf) – wer hätte nicht gerne die Energiekosten, die diese Fehlplanung auf die Gebäudelebensdauer kostet, auf seinem Konto?
Sensoren versus frierende/überhitzte Mitarbeiter
Thomas Halper, GF von Conox (CO-, CO2-, Brandschutz-Anlagen), berichtet aus seiner Praxis: „Fühler und Sensoren für Frequenzumrichter oder Heizungen werden mitunter stiefmütterlich behandelt bzw. falsch positioniert. Bei einem Beispiel wurde auf den Außentemperaturfühler der Heizung wenig Wert gelegt und dieser auf der Gebäude-Südseite angebracht. Ergebnis: Der Außentemperaturfühler zeigte 27 °C an, obwohl es effektiv 18 °C hatte. Das brachte natürlich massive Probleme mit sich, denn der Komfort für die Nutzer war stark eingeschränkt. Falsch angebrachte Windsensoren führen immer wieder dazu, dass Jalousien zur Beschattung für die Nutzer nicht nutzbar sind und auch mehr gekühlt werden muss“.
Geiziger Investor/Betriebskostentreiber
Es müssen nicht immer gleich Fehler sein, die zu unangenehmen Folgeerscheinungen oder höherem Energieverbrauch (für die Nutzer) führen. Es geht auch, wenn es dem Investor egal ist. Davon weiß auch Martin Störmer, Verkaufsingenieur für Frequenzumrichter bei Danfoss, zu berichten: „Ein Investor sagte, dass er das Gebäude ohnehin in drei Jahren wieder veräußern werde. Deshalb hat er alle ausgeschriebenen Frequenzumrichter gestrichen“. Dass sich die künftigen Nutzer dieses Objektes über satte Betriebskosten „freuen“ dürfen, sei an dieser Stelle erklärend angemerkt. Manchmal ist es aber nicht der Geiz des eigenen Vorteils, der Betriebskosten in die Höhe treibt. „Viele wissen nicht, oder haben es vergessen, dass eine um 20 % reduzierte Drehzahl der Pumpe oder des Ventilators, eine um 50 % geringere elektrische Leistung bedeutet“, erklärt Störmer. Nachdem das Gros der Pumpen oder Ventilatoren über das Jahr gesehen nur im Teillastbetrieb laufen, lohnt es sich also, über Frequenzumrichter nachzudenken.
Der Weg zum besseren Gebäude
Die zwei Vorträge der TGA-Gruppe beim kommenden ATGA Facility Kongress 2011 sollte man nicht verpassen:
• „Der Weg zum besseren Gebäude 1“ (Dienstag, 24. Mai, 11 bis 11:45 Uhr)
• „Der Weg zum besseren Gebäude 2“ (Dienstag, 24. Mai, 12 bis 12:45 Uhr)
Aber auch in einigen weiteren Vorträgen des interessanten Kongressprogrammes finden sich versteckte Anleitungen, wie man Fehler bzw. Herausforderungen vermeidet. Außerdem bietet sich beim gemeinsamen Galadinner am 24. Mai mit den Teilnehmern des EFMC-Kongresses am Abend die Möglichkeit, sich international zu vernetzen. An diesem Abend wird auch das Geheimnis gelüftet, wer die diesjährigen Austria FM Awards verliehen bekommt und wer Facility Manager sowie Architekt des Jahres 2011 wird.
Mit freundlicher Genehmigung von E. Herrmann HLK-Weka-Verlag
Anmeldung zum Kongress unter